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Junger Gamsbock

Wie so oft stand wieder mal ein Nachtdienst in der Firma auf dem Programm. Zuvor hatte ich noch den Wetterbericht angesehen - ganz gut, also gleich die ganzen Jagdutensilien ins Auto verfrachtet, damit ich gleich um 07.00 Uhr in der Früh nach dem Dienst ins Revier losziehen kann. Als Schießprügel hatte ich meine .223Rem eingepackt, beim Abschussplan für's Rehwild sieht es ja noch recht düster aus, da passt die kleine Kugel genau.

Gleich nach dem Dienst ging's los und eine gute halbe Stunde später war ich im Revier. Rucksack und Gewehr geschultert ging es auf die Pirsch. Keine halbe Stunde später konnte ich auf der anderen Talseite einen jungen Gamsbock im felsdurchsetzten Gelände ausmachen. Also zunächts einmal den Laser ausgepackt - 250 Meter stand auf dem Display. Mit der 6,5x68 wäre das ein Kinderspiel, aber mit der .223 und dem 6-fach Swarovski? Soll ich oder soll ich nicht.

Ok, machst zumindest mal einen Probeanschlag, mal sehen wie groß der Gamsbock im ZF noch ist. Ich lege mich auf dem Boden, unter dem Vorderschaft der Rucksack, unter dem Hinterschaft die zusammengerollte Jacke. Hmm, so könnte man durchaus schießen, die Stelle zwecks anschließender Bergung wäre mit etwas klettern ebenfalls erreichbar. Nochmals mit dem Feldstecher den ganzen Gegenhang abgeglast, ob sonst auch noch was herumsteht - negativ. Den Gamsbock nochmals durchs Spektiv genau angesprochen und die Entfernung gemessen - 243 Meter. Der Entschluss zum Schuss hatte sich durchgesetzt. Noch ein paar Mal tief durchgeatmet, entsichert und als der Gams dann passend stand hab ich die Kugel fliegen lassen. Bumms, der Gams zeichnet und fällt um, ist damit aber auch aus meinem Blickfeld verschwunden.

Ich packe ich meine Sachen zusammen, und mache mich auf den Weg die andere Seite des Berges zu erklimmen, um die Gams zu holen. 150 Meter zum Teil durch dichtestes Gestrüpp und Brenesseln, ich fluche. Doch alles geht gut, der Gams (zweijähriger Gamsbock) liegt 15 Meter unterhalb der Stelle an der ich ihn beschossen hatte, er war durch eine Rinne heruntergerutscht, deshalb konnte ich ihn nach dem Schuss auch nicht mehr sehen. Treffersitz war dort wo ich hingehalten hatte - jedoch kein Ausschuss. Beim Aufbrechen finde ich dann den Geschossrest des 55gr schweren Nosler BallisticTip. Das Geschoss hatte im Wildkörper ordentlich gearbeitet, nur für einen Ausschuss hat die Energie nicht mehr gereicht.

 


Braver zweijähriger Gamsbock - gestreckt auf 243 Meter

 

Im Nachinein betrachtet bin ich nicht gerade glücklich mit meinem Tun, bei einem schlechten Schuss hätte ich keine Reserven gehabt, der Verlust des Stücks oder eine lange und beschwerliche Nachsuche die Folge. So soll es mir für die Zukunft eine Lehre sein lieber den Finger gerade zu lassen.


55gr Nosler Ballistic Tip: geborgener Geschossrest (18,2gr - 33% vom Gesamtgewicht), das "komplette" Geschoss, fertige Patrone, 5,6mm KJG für die zukünftige Patrone.

 

 02.09.2008


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